| Sand und Kies | |
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Als
sich der Grossteil der Urner Gemeinden im Januar des Jahres 1805 zum
Wiederaufbau des am 5. April 1799 beim grossen Brand von Altdorf eingeäscherten
Rathauses bereit erklärte, offerierte Bauen ein ansehnliches Quantum
Kalk, Unterschächen vier bis fünf Ahornbäume und Flüelen 150 Fuder
Sand. Letzterer Baustoff scheint somit schon anfangs des 19. Jahrhunderts
zum Dorf am Gestade des Urnersees zu gehören wie der Hafen mit seinen
Schiffen. Die
Gewinnung von Sand war im letzten Jahrhundert bis zum Einzug der Technik
vorwiegend auf das seichte Ufer des Urnensees und auf die Sandbänke der mäandrierenden
Reuss beschränkt. Die Arbeit auf dem See war hart und gefahrenvoll.
"Seegussler" wurden die Männer genannt. Meister wie Gesellen
standen bis an die Knie und oft bis zur Brust im Wasser und schöpften
Sand und Kies in den danebenstehenden Nauen. War diese Arbeit getan, so
hiess es in die Ruder liegen, stundenlang in gleichmässigem Takt. Am
Ziele angelangt, kam der Auslad und darauf die Heimfahrt. Glücklich waren
die Leute, wenn eine wohltätige Bise sich ihrer erbarmte und manierlich
in die Segel blies, den Schiffsleuten etwas Ruhe gönnend. Der
Bezug von Sand und Kies von den Seeufern war allen Korporationsbürgern für
den Eigengebrauch erlaubt. Der Bau der Axenstrasse und später der
Gotthardbahn benötigte diese Baustoffe jedoch in grossen Quanten. Die
Ressourcen wurden knapp und der Sand zum Handelsgut. Bereits 1830, nach
der Erstellung der Gotthardstrasse, sah sich die Obrigkeit gezwungen,
diesbezügliche Bestimmungen zu erlassen. Das Ausführen von Sand aus dem
Kanton wurde eingeschränkt, denn man gebrauchte diese Baumaterialien
hierzulande. Wer Sand und Kies von den Seegestaden ausserhalb der
Kantonsgrenzen führen wollte, wurde verpflichtet, dem eigens hierfür
bestellten Aufseher, dem Sandzoller, für jedes Fuder oder für jede
Ladung unabhängig der Grösse 4 Franken zu bezahlen. Auch
nach der Gründung des Bundesstaates von 1848 sah sich die Obrigkeit
gezwungen, immer wieder Vorschriften bezüglich des Sandabbaus zu
erlassen. Das Ausführen von Sand und Kies ausserhalb des Kantons blieb
weiterhin gebührenpflichtig. Die Kontrollen wurden verschärft. Im Jahre
1850 wurde mit dem Bau der Reussdämme begonnen. Uris Hauptfluss wurde in
seinem Unterlauf kanalisiert. Die Überflutungen der Dämme in den Jahren
1897 und 1898 hatten als Massnahme die Verlängerung des Dammauslaufes zur
Folge; das Querprofil wurde auf 25 Meter zurückgesteckt. Im
Jahre 1888 kam der See von der Korporaion Uri an den Kanton. Im Ausgang
des 19. Jahrhunderts wurde die Ausbeutung von Sand und Kies wegen der
grossen Nachfrage für einige Männer von einer nebenberuflichen Beschäftigung
zu einem Erwerbszweig. Diese Tendenz ging einher mit dem Einzug der
Technik, welche zwar neue Ressourcen erschloss, jedoch auch hohe
Investitionen verlangen sollte. Die
gemäss Regierungsrat "bisherige mangelhafte Kontrolle" wurde
1898 durch eine "bestimmte und zuverlässige Aufsicht" ersetzt.
Die Ausbeutungsarbeiten vor Tagesanbruch wurden untersagt; ebenso war das
Anzeichnen von Sandbänken nicht mehr gestattet. Geschöpfter Sand und
Kies war an geeigneter Stelle zum Einmessen zu deponieren oder am Platze
selbst zu "massbereiten Haufen" zu lagern und sofort der
Kontrolle anzumelden. Kantonseinwohner konnten immer noch zum eigenen
Gebrauche Sand oder Kies einem öffentlichen Gewässer entnehmen, sofern
Ufer und Wuhren nicht beschädigt wurden. Wer damit jedoch Handel treiben
wollte, oder wer im Kanton nicht wohnhaft war und das Material direkt
bezog, wurde nun verpflichtet beim Regierungsrat eine Konzession
einzuholen. Nun endlich war im Rechenschaftsbericht zu lesen, dass sich
die erlassenen Bestimmungen bewährt haben. In
diese Zeit fällt auch die Gründung der "Kompanyy", der
heutigen Firma Arnold & Co. AG. Als Gesellschafter traten Franz
Aschwanden, Johann Arnold, Vater und Sohn, sowie Karl Ziegler auf. Der
Firmenzweck wurde mit "Motorschiffbetrieb behufs Gütertransport auf
dem Vierwaldstättersee" angegeben. Das
Material wurde im 19. Jahrhundert auf kleinen Ledischiffen mit einer Lademöglichkeit
von höchstens 30 bis 40 Tonnen nach den Umschlagplätzen befördert. Die
Schwimmbagger setzten der mühevollen Arbeit dann ein Ende und erhöhten
zugleich auch die Fördermengen. Im Jahre 1897 kam auf dem Urnersee die
erste Baggermaschine in Betrieb. Diese vermochte bereits stündlich 10
Kubikmeter aus einer Tiefe vorn 4 bis 15 Metern aus dem See zu fördern,
wogegen ein Arbeiter bei intensivster Tätigkeit dies bestenfalls in einem
ganzen Tag leisten konnte. Weil aber mit jenen noch unvollkommenen Schöpfwerken
auch unerwünschte Fremdkörper mitgefördert wurden, mussten eigens
beigezogene Leute diese durch Ausgattern entfernen. Allerdings steckte die
Technik noch in den Kinderschuhen, und der Bagger stand wegen Defekten oft
still. Die jährlichen Fördermengen an Reusssand und Schotter beliefen
sich dank dem Einsatz der ersten mechanischen Hilfsmittel auf zirka 5 000
Kubikmeter. Für
eine einfache Fahrt mit beladenen Ledischiffen von Flüelen nach Luzern
brauchte die Mannschaft ausgangs des 19. Jahrhunderts noch volle 13
Stunden. Zur Entlastung und Unterstützung der Ruderer - teilweise schon
bei der Hinfahrt, besonders aber bei der Rückfahrt -- wurden unter Ausnützung
der Bise die Segel gesetzt. Nicht selten musste wegen Sturms
unfreiwilliger Aufenthalt in einem der bestehenden "Freihäfen"
genommen werden. Die
Rudernauen wurden dann um die Jahrhundertwende durch Lastschiffe, welche
mit 4-PS-Saurermotoren ausgerüstet waren, ersetzt. Die bisherige Fahrzeit
reduzierte sich nun um volle fünf Stunden. Bei schlechter Sicht
orientierte man sich auf den Nauen mit Hilfe eines Kompasses und eines
Weckers. Die Motoren riefen damals noch nicht optimal, und so kam es oft
vor, dass der Motor nicht mehr mit machte. Dann war wieder Ruderarbeit
gefragt. Mit
der Arbeit wurde um vier Uhr morgens begonnen. Es kam auch vor, dass so
viel Fuhren gefahren wurden, dass die Mannschaft mit ihrem Nauen erst
wieder in den Hafen einlief, als es vom Kirchturm zwei Uhr morgens schlug.
Dabei sei man an diesem Abend erst noch an der Treib vorbeigefahren,
obwohl im Gasthaus noch das Licht brannte. Nach getaner Arbeit wurde von
Meistersseite ansonsten auch etwas für den Durst getan. Mit dem Nauen
wurden auch noch andere Fuhren als Sand und Kies transportiert, so etwa
Holz oder vor allem Dynamit von der Sprengstoffabrik an den Isleten. Der
See barg aber auch immer Gefahren. So hat der Sturm oft die ganze Ladung
wieder in den See gespült, oder es ist vorgekommen, dass man wegen
starkem Föhn den Nauen an der Isleten anbinden und auf einem schmalen
Fussweg nach Flüelen heimkehren musste, da damals noch keine
Strassenverbindung bestanden hatte. |
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Im
Jahre 1911 standen in der Firma vier Motornauen mit 70 bis 100 Tonnen
Traglast im Betrieb. Zwei dieser Schiffe verkehren (mehrmals revidiert)
noch heute auf dem Vierwaldstättersee: der "Adler" mit Jahrgang
1905 und der "Teil" mit Jahrgang 1906. Weiter gehörten zwei
Eimerbagger, mit einer Leistung bis zu 30 Kubikmeter pro Stunde und einer
Baggertiefe bis zu 6 Metern zur Firma. 1916 wurde auf dem Areal der
Ziegelhütte ein Verladeplatz mit Geleiseanschluss angelegt und ein Jahr
später durch eine grosse Steinbruch- und Schottersortieranlage erweitert. Durch
den Gesellschaftsvertrag von 1923 beteiligten sich auch zwei Männer aus
Alpnachstad, Melchior Blättler und Balthasar Nufer, an der "Kompanyy".
1923 fand in Flülen auch der vielbeachtete Stapellauf des ersten ganz in
Eisenkonstruktion erbauten Motornauens des Vierwaldstättersees statt. Anfangs
der dreissiger Jahre wurde wiederum ein neuer Bagger in Betrieb genommen.
Dieser Eimerbagger hatte eine doppelte Leistung (60 Kubikmeter in der
Stunde) und erreichte eine Baggertiefe von 15 bis 16 Metern (bisher 6
Meter). Die Maschine, erstmals mit einer Abspritzvorrichtung versehen,
wurde von einem 50-PSMotor angetrieben. Die nächste Baggergeneration
bildeten dann die grossen, heute noch im Betrieb stehenden Greiferbagger.
Der kleinere, mit Baujahr 1955, erreicht eine Baggertiefe von 50 Metern,
der grössere, mit Baujahr 1966, gar eine solche von 120 Metern. Eine
beachtliche Leistung bei einer maximalen Tiefe des Urnersees von gut 200
Metern. Mit diesen grossen Baggern sind Fördermengen von 120 bis 240
Kubikmeter pro Stunde möglich. |
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Die
Schiffsflotte wurde dauernd modernisiert. Die alten Holznauen wurden in
den 1950er-Jahren auf Eisen umgebaut und auch in den folgenden Jahrzehnten
dauernd Neuerungen unterzogen. Während den Jahren des Zweiten Weltkriegs
mit den Benzinrationierungen als eine von vielen einschneidenden
Massnahmen fuhr der "Zwing" dank einem Holzvergaser mit Holzgas
von Flüelen nach Luzern. Nach dem Ende des Krieges hielt dann ein
schwimmender Gast vom Genfersee Einzug. Von der Firma Sagrave SA wurde das
Klappschiff Rudenz gekauft. Zeugen seiner bewegten Vergangenheit waren übernietet:
zwei Einschüsse aus dem Weltkrieg. Dem "Rudenz", welcher später
verschrottet wurde, folgte im Jahre 1974 nochmals ein Schiff aus welscher
Heimat: die "Rhone" mit Baujahr 1962. Das Klappschiff mit 155
Tonnen Tragkraft kam in zwei Teilen nach Horw, wurde dort von der Firma
Lais, Basel, wieder zusammengenietet, und sorgt seither dafür, dass „Reuss“
und "Rhone" im Urnersee zusammentreffen. 1965 gesellte sich der
"Gotthard", 1972 der „Uristier“ und 1991 das Lastschiff „Rudenz“
zur Flotte. Die
Sortierung der Materialen geschah bereits in den dreissiger Jahren im
Schiffsumschlag in jeder gewünschten Körnung. Das vom Bagger zutage geförderte
Material wird dabei sortiert und zerkleinert, dann durch die kleineren
Nauen zum Umschlagplatz geführt und in grossen Siloboxen bis zum Gebrauch
gelagert. Von einer Zentrale aus kann die Förderbandanlage in Funktion
gesetzt werden. Im Jahre 1969 wurde zudem eine moderne
Betonfabrikationsanlage errichtet. Noch bis zum Jahre 1924 wurde am
Hauptumschlagplatz Luzern alles von Hand, das heisst mit der Stosskarrette,
gelöscht. Eine Arbeit, die drei bis vier Stunden pro Nauen in Anspruch
nahm und für die vier "Seegussler" ungefähr je 180
Garettenfuhren bedeutete. Danach wurde diese mühsame und zeitraubende
Arbeit durch Kranen besorgt, wobei 250 Tonnen Schiffsgut innert
zweieinhalb Stunden umgesetzt werden. Anfang der 1980er-Jahre wurde die Sand- und Kiesgewinnung im Urnersee zum Politikum. Mit den Kiesbaggerungen in den Flachwasserzonen waren die biologisch aktivsten Gebiete des Seerufers verloren gegangen. Aus Gründen des Landschafts- und des Naturschutzes wurden nun Forderungen erhoben, die Uferlinie in ihrer Lage zu erhalten und Massnahmen zu treffen, um weitere Landverluste zu vermeiden. Der Kompromiss, welcher die Interessen der Kiesgewinnung mit denjenigen der übrigen Nutzungsarten und insbesondere des Naturschutzes in den 1980er-Jahren verbinden sollte, kam schliesslich im Projekt Reussdelta zustande. Neben einer neuen Konzession wurde in der Folge auch das sogenannte "Delta-Gesetz" ausgearbeitet. Mit dem klaren Ja (71 Prozent) zum Gesetz über das Reussdelta gab das Urner Volk am 1. Dezember 1985 grünes Licht zur Umgestaltung des Mündungsgebietes der Reuss. Die Reuss bildete nach dem Abbruch der Dämme wieder ein natürliches Delta, andererseits wurden die Sand- und Kiesressourcen im ehemaligen Mündungsgebiet zum Abbau freigelegt. |
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Übersicht: www.fluelen.ch Letzte Aktualisierung: 11.1.2002 © Gemeinde Flüelen / Phideau & Fido |
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