| Der Gruonbach - gezähmter Gebirgsbach |
| Der Gruonbach ist ein Wildwasser mit einem kesselförmigen Einzugsgebiet,
welches zwischen Bodmi, Hüttenboden, Oberer Rüti, Angelingen und Schattigen liegt. Der Hauptbach zwischen Gruonbachegg und Gruonbergli hat drei ausgedehnte Nebenbäche: der Vorderbach (Guferlibach), der Mittlere Bach
(Rütibach) und der Hinterbach (Chalter Brunnen). Das kesselförmige Einzugsgebiet besitzt einen gegen Westen offenen Einfang, in welchem sich fallweise ausserordentliche Niederschläge zu sammeln vermögen, deren Abfluss um so grössere Schäden bringt, je mehr Möglichkeiten das Hochwasser zur Geschiebefuhr findet. Die ausgedehnte Schuttkegelzone des Gruonbaches blieb deshalb über Jahrhunderte mehr oder weniger gemieden (Flüeler Sage!) und wies bis zum letzten Viertel des 19. Jahrhunderts kaum ein Dutzend Bauernhöfe auf. Der Gruonbach war ein zu sehr gefürchtetes Wildwasser. Der Bach trat immer wieder über die Ufer und richtete Schaden an. Der alte Axenweg stieg nicht umsonst von der Langmatt und ob dem Ruozig zum Zeissig und Gibel hinauf, um so den Bachkegel möglichst zu umgehen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden mit der Axenstrasse und der Gotthardbahn zwei wichtige Verkehrsachsen durch den Schuttkegel des Gruonbachs gelegt. 1868, drei Jahre nach Eröffnung, wurde die Axenstrasse durch ein Gruonbachhochwasser über zehn Tage unterbrochen. Auch beim Bahnbau zeigte die Naturgewalt der modernen Technik ihre Stärke. "Das Bächeli wollemer schon zahm machen", sollen die Ingenieure gesagt haben. Mitte August 1880 trat der Bach erneut über die Ufer. Das Bahntrassee, das durch den Kegel gegraben und für die Bautransporte bereits mit einem Geleis belegt war, wurde völlig verschüttet, die Brückenpfeiler weggespühlt. Die Gotthardbahnunternehmung baute deshalb in der Folge zwischen 1880 und 1882 den Bachkanal vom Gruonbachegg bis zum See, oberhalb der Strasse gleichzeitig als Schuttsammler. Die Bahn wurde durch den Gruonbachtunnel unter dem "Bächli" geführt. Die damalige Bahnbrücke wurde höher verlegt und als Strassenbrücke über den Bachkanal verwendet. Die Kosten für diese Arbeiten erforderten die Summe von 317’000 Franken. Die Verkehrswege waren vor dem Gebirgsbach jedoch immer noch nicht sicher. Am 14. Juli 1884 - die Bahn war inzwischen zwei Jahre eröffnet - brachte ein erneutes Hochwasser, viel Geschiebe und gefährdete Bahn und Strasse. Die Bahngesellschaft erstellte im untern Bachlauf, zwischen Gruonbachegg und Gruonbergli, grosse Sperrbauten, um den Bach im Tiefergraben und in der Geschiebefuhr einzudämmen. |
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![]() Die Mündung des Gruonbachs am Beginn des Bahnbaus. Bei der Anlegung des Bahntrassés musste viel Wald gefällt werden. |
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![]() Gruonbach-Verbaungen und Gruonbach-Tunnel, um 1882 |
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![]() Verbauungen im Gruonbachtal (Staatsarchiv Uri, P-53 Fotoarchiv Von Matt Neg. 16'644/11). |
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| Das verheerende Gewitter vom 23. Juli 1907
brachte neue Verheerungen, was den zuständigen Behörden und namentlich auch den Bodenbesitzern und Nutzniessern der Wälder und Weiden dieses Gebietes klar vor Augen
führte, dass nur eine Gesamtsanierung des weiten Bachkessels zwischen dem Hangfuss der Rophaien-Diepen-Hagelstock-Kette sowie dem Hüenderegg und den Eggbergen Abhilfe bringen
konnte. Es galt die Regelung der Freilandweide in die Hand zu nehmen, das Verbot der Waldweide (im besondern der Schmalviehweide), die Entwässerung aller vernässten Gebiete, die Ableitung der Quellaufstösse und Bächlein in festen Rinnen, den Verbau der ausgedehnten Erdanrisse und Verrüfungen und deren durchgehende Begrünung durch Rasen, Busch und Neubewaldung, und endlich den Verbau sämtlicher Bäche durch Sperren aus Stein und Holz, damit jegliches Tiefergraben unterbunden
wurde. Es wurde ein Baukonsortium gebildet, welches aus Vertretern des Kantons, der Einwohner- und Bürgergemeinde, der Korporation Uri und der Korporation Gruonwald sowie der Gotthardbahn (später der SBB) gebildet
wurde. Seit 1910 folgten nun weitgreifende Projekt- und Bauarbeiten, wobei ganz besonders das Einzugsgebiet erfasst
wurde. Dabei musste mancher Widerstand der Bodenbesitzer und Nutzniesser überwunden werden, zumal wo es
galt, die schädliche Waldweide einzudämmen und aufzuheben. Den grossen Sperrbauten im Hauptbach und den Erweiterungen der Brecheverbaue und Aufforstungen der nackten Steilhänge folgen die Sperrbauten, Entwässerungen, Begrünungen und Aufforstungen in den drei ausgedehnten Nebenbächen sowie der grossen Breche unterhalb des Rütieggs und im Hüttenbodenwald. Auch der Gruonwald wurde miteinbezogen, wobei vernässte Partien entwässert und die Blössen in Wald zurückgeführt wurden. Über eine Million Franken muss für diese Arbeiten aufgewendet werden, so dass die Gesamtkosten gegen 1,6 Millionen Franken erreichten, von denen die Gotthardbahn und die SBB rund 75%, der Bund 20%, der Kanton 5% und die Gemeinden, Korporationen und Privaten ebenfalls 5% zu tragen hatten. Dank der seit der Jahrhundertwende eingesetzten Beruhigung des Wildbaches entwickelte sich auf dem Schuttkegelgebiet des Gruonbaches das Flüeler Ausserdorf. |
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![]() Das Gruonbach-Delta ist wieder bewaldet, das Ausserdorf dehnt sich aus; um 1930. |
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| Literatur: UW Nr. 17, 25.4.1914; Oechslin Max, Der Gruonbach, in: Flüelen, S. 93-95. Fotos: |
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Übersicht: www.fluelen.ch Letzte Aktualisierung: 5.5.2002 © Gemeinde Flüelen / Phideau & Fido |