Mit einer bescheidenen Feier ist am Freitag, 29. Oktober 2010, der Schlussstrich unter die umfassenden
Renovationsarbeiten gezogen worden. Der Kreditrahmen musste nicht voll ausgeschöpft werden.
Zu den bekanntesten Baudenkmälern der Innerschweiz zählt die Alte Kirche des Urner Hafenstädtchens am Südufer des Vierländersees. Es blickt auf eine höchst bewegte Vergangenheit am Weg zum Gotthard zurück. Eine Kapelle am heutigen Standort bestand schon im Jahre 1360, wie längst vergilbten Schriftdokumenten zu entnehmen ist. In den Jahren 1663/64 wurde die Alte Kirche erbaut. Ein zweites Gotteshaus wurde 1912 auf dem Grundbühl eingeweiht – das entsprechende 100-Jahr-Jubiläum wird somit schon bald gefeiert werden können. Die Alte Kirche erfuhr später eine bischöfliche Exsekration. Gemäss Anordnung sollte das Schiff abgerissen werden. Doch bald machte sich in der Öffentlichkeit Opposition bemerkbar. 1954 wurde die Vereinigung Alte Kirche aus der Taufe gehoben – sie umfasst heute rund 200 Mitglieder. Im gleichen Jahr beschloss die Einwohnergemeindeversammlung, die Alte Kirche sei vollumfänglich zu erhalten. Die letzten umfassenden Restaurationen erfolgten dann 1975 (aussen) sowie 1982/84 (innen).

Zufriedenes Quartett (von links:) Markus P. Fink (Architekt), Urs Zurfluh
(Baukommissionspräsident), Franzsepp Arnold (Präsident Vereinigung Alte
Kirche), Beat Walker (Gemeindepräsident).
Foto: Ruedi Ammann
Bürstenfabrik, Schwinghalle, Fasnachtsaula
Die Alte Kirche verzeichnete nach der erwähnten Exsekration ein höchst vielfältiges „Innenleben“. Das Schiff wurde für die verschiedensten Zwecke verwendet. Nach dem Weltkrieg etwa als Bürstenfabrikhalle, als Turn- und Schwinghalle, Fasnachtsaula und anderes mehr, um dann später, nach erfolgter Restauration, als ganz besonderer Kulturraum zum Zuge zu kommen. In jüngster Zeit etwa für Ausstellungen, wobei die Präsentation der grossartigen Kristallfunde aus dem Göscheneralpgebiet international auf grosse Beachtung stiess.
Der Präsident der Vereinigung Alte Kirche, Franzsepp (Bobby) Arnold freute sich anlässlich des gelungenen Aussenrestaurationsabschlusses, am Freitag eine spezielle Festgemeinde willkommen heissen zu dürfen, darunter Pfarrer Notker Bärtsch, Gemeindepräsident Beat Walker, den vormaligen Staatsarchivar und Vertreter der Otto-Gamma-Stiftung, Hans Stadler, sowie alt Regierungsrat Hermann Sigrist, der - nebst anderen - auch als Gründermitglied der Vereinigung Alte Kirche gewürdigt wurde. Franzsepp Arnold freute sich, den Geladenen grossflächige, einer umfassenden Instandstellung unterzogene Bilder des unvergessenen Kunstschaffenden Josef Kottmann vorstellen zu können. Sie sind zurzeit im Innern der Alten Kirche aufgestellt. Der Dank des Sprechenden galt verschiedenen Stiftungen und Körperschaften, darunter der Otto-Gamma-Stiftung, der Dätwyler-Stiftung sowie der Korporation Uri. Sie alle hatten insgesamt 100 000 Franken für die Aussenrestaurationsarbeiten bereitgestellt. Die Gesamtaufwendungen der nunmehr erfolgreich abgeschlossenen Arbeiten waren auf 420 000 Franken budgetiert worden, konnten nun aber, gemäss Architekt Markus P. Fink, um rund 20 000 Franken kostengünstiger abgeschlossen werden. Franzsepp Arnold dankte allen Beteiligten für ihre Einsätze, insbesondere der Baukommission mit Gemeinderat Urs Zurfluh an der Spitze.

Besondere Aufmerksamkeit fand auch der restaurierte Fischerstand des
unvergessenen Flüeler Kunstschaffenden Josef Kottmann.
Foto: Ruedi Ammann
Turmkreuz als Zielscheibe
Markus P. Fink vom Architekturbüro Utiger AG, Altdorf, orientierte über den Verlauf der Restaurationsarbeiten. Sie waren nach einer zweieinhalbmonatigen Planungszeit anfangs Mai dieses Jahres in Angriff genommen worden. Insgesamt galt es, 1900 Quadratmeter Gerüst zu verbauen, hauptsächlich auch, um den 42 Meter hohen Turm erreichen zu können. Eine spezielle Herausforderung bildete das Ersetzen der alten, über hundertjährigen Kupfereinkleidung des Turmes. Mit Erstaunen wurde beim Entfernen des Turmkreuzes festgestellt, dass die Kreuzkugeln respektive der Spitzhelm durch zahlreiche Gewehrkugeln durchlöchert waren. Schützen aus der näheren und weiteren Umgebung hätten die Konstruktionen offenbar als Ziel ihrer Geschosse benützt, erklärte Fink. Auf Abklärungen, aus welchen Fenstern die Schüsse abgegeben worden sind, sei bewusst verzichtet worden… Der Dank des Architekten galt den einheimischen Firmen und Handwerkern. Sie hätten kompetente und vorbildliche Arbeit geleistet. Schliesslich unterliess es auch Gemeindepräsident Beat Walker nicht, die Aussenrestauration als gelungen einzustufen und der Überzeugung Ausdruck zu verleihen, dass das Dorfbild durch die Restaurationsarbeiten eine echte Aufwertung erfahren habe. Er nahm auch mit Genugtuung davon Kenntnis, dass dank der Spenden sowie des Entgegenkommens von Kanton und Bund (weitere rund 150 000 Franken) für die Einwohnergemeinde nun lediglich noch Restkosten von etwa 100 000 Franken anfallen dürften.
Ruedi Ammann
|
|

Die Alte Kirche in Flüelen, wie sie sich nach der
Renovation präsentiert.
|